meine Meinung quer durch den Garten  !!!!

 

Die eigene „Scholle“ lockt noch immer in die Natur

 

 

BREMERHAVEN. Zahlreiche Laubenbrände und Flächenaufgaben seitens

 

 

 

 

der Kleingärtner: Die neuesten Entwicklungen lassen dunkle

 

Wolken über dem grünen Idyll zwischen Gartenzwergen, blühenden

 

Rabatten und Tomatensträuchern vermuten. Doch dem ist

 

nicht so. Das Kleingärtnerwesen blüht weiterhin. Darauf achtet

 

beispielsweise Gerd Mindermann. Seit den 1970er Jahren nennt

 

er eine „Scholle“ im Kleingartengebiet Reuterhamm sein eigen.

 

Ans Aufgeben denkt er nicht – ebensowenig wie seine Mitstreiter

 

 

 

aus den anderen Kleingartenvereinen

 

 

 

 

 

 

 

Wir haben hier keine Laubenbrände“,

 

distanziert

 

sich Gerd Mindermann,

 

Vorsitzender des Bezirksverbands

 

der Gartenfreunde

 

Bremerhaven-Wesermünde,

 

von dem derzeitigen

 

Phänomen der Buden,

 

die auf „wilden“ Gärten immer

 

wieder in Flammen stehen.

 

Diese Gärten seien

 

keinem Verein angeschlossen,

 

betont er. Für diese

 

Aussage bekommt er viel

 

Zuspruch im Vereinsheim

 

am Reuterhamm.

 

Die Vorsitzenden der einzelnen

 

Vereine und Mitglieder

 

des Vorstands treffen

 

sich regelmäßig, um sich

 

über die Entwicklungen im

 

Kleingartengebiet auszutauschen.

 

Ebenso werfe das

 

Gebiet „Ackmann“ ein falsches

 

Bild auf das Kleingartenwesen

 

in Bremerhaven,

 

versichern die Kleingärtner.

 

Der „Ackmann“ ist ein Gebiet

 

von 66 000 Quadratmetern

 

Fläche, dessen Rückgabe

 

an den Verpächter, dem

 

Magistrat, derzeit in enger

 

Abstimmung zwischen

 

Kleingartenverband und

 

Stadt gestaltet wird. Eine

 

Welle von altersbedingten

 

Aufgaben und Gartennomaden

 

hatte den Verein in

 

Schieflage gebracht, weil

 

die Pachteinkünfte ausblieben.

 

Das „Ackmann“-Problem

 

lasse sich jedoch nicht verallgemeinern.

 

„Wir haben

 

im Bezirksverband mit 14

 

Kleingartenvereinen 1436

 

Gärten“, sagt Reinhard

 

Scholz, Schriftführer und

 

somit der Mann für die

 

Zahlen im Bezirksverband.

 

Zehn der Vereine befinden

 

sich im Stadtgebiet, vier liegen

 

im Landkreis Cuxhaven.

 

„Wir haben einen

 

Leerstand von 4 bis 5 Prozent“,

 

sagt er. Dann fragt er,

 

ob jemand wisse, wie viele

 

Kleingärten in Deutschland

 

existieren. Eine Schätzung

 

gibt niemand der Anwesenden

 

ab. „Eine Million“, sagt

 

Scholz und lässt die Zahl

 

mit einem bedeutungsschweren

 

Blick in die Runde

 

auf die Zuhörer wirken.

 

„Also, wenn die Kleingärtner

 

sich alle zusammenschließen

 

würden, dann…“,

 

sagt Mindermann und sinniert

 

ein wenig über die politische

 

Schlagkraft, die den

 

Kleingärtnern innewohnen

 

könnte.

 

Wohlwollend beobachten

 

sie, dass es immer mehr

 

junge Familien gibt, die es

 

in die Gärten zieht. Ein

 

bundesweiter Trend, der

 

auch vor der Seestadt nicht

 

halt macht. Stolz berichten

 

beispielsweise Karin Kaden

 

und Helmut Jacobs vom

 

Kleingartenverein Geesthelle,

 

dass bei ihnen lediglich

 

eine Parzelle frei sei. Auf

 

der leeren Parzelle hätten

 

die Vereinsmitglieder in Eigenleistung

 

eine neue Laube

 

gebaut – eben, um das

 

Grundstück für mögliche

 

neue Kleingärtner attraktiv

 

zu gestalten.

Lauben werden mitunter

 

für einen Euro abgegeben

Gerd Mindermann hört aufmerksam

 

zu, nickt bedächtig

 

und spricht dann ein anderes

 

aktuelles Problem an,

 

mit dem er konfrontiert

 

wird. Knappe Geldbeutel

 

und die mangelnde Bereitschaft,

 

bei der Übernahme

 

eines Gartens den üblichen

 

angemessenen Abstand zu

 

zahlen. „Bei uns werden

 

Parzellen sogar häufig verschenkt“,

 

sagt er dann, um

 

sich sogleich zu korrigieren.

 

„Das heißt, die Lauben

 

werden für einen Euro verkauft,

 

um einen Kaufvertrag

 

zu haben“, sagt er. „Für einen

 

Euro“, fragt Karin Kaden

 

ungläubig. „Also so

 

günstig wird es unsere Laube

 

nicht geben“, sagt sie,

 

während sie stolz ihr

 

Smartphone in die Runde

 

zeigt, Fotos von der neuen

 

schmucken Laube in hellem

 

Holz präsentiert. Die

 

Anwesenden nicken anerkennend,

 

essen dabei inzwischen

 

Kirschkäsekuchen

 

und trinken Kaffee,

 

während andere Kleingärtner

 

sich angeregt am Tresen

 

unterhalten.

 

Ein Thema, das die

 

Kleingärtner immer wieder

 

umtreibt, ist die klassische

 

Drittel-Regelung im Kleingartenwesen,

 

mit der sich

 

so mancher Neukleingärtner

 

schwer täte, der es eher

 

auf Sommerspaß mit Pool

 

und Grillabende abgesehen

 

hat, anstatt Saatgut zu verteilen.

 

„Wir weisen auf diese

 

Regelung hin“, sagt Gerd

 

Mindermann über einen

 

Passus des Kleingartengesetzes,

 

der besagt, dass ein

 

Drittel des Gartens für den

 

Anbau von Gartenerzeugnissen

 

für den Eigenbedarf

 

zu nutzen sei. Diese Regelung

 

sei möglichst einzuhalten,

 

sonst könnten die Vermieter

 

die Gärten teurer

 

verpachten, weil sie eben

 

nicht mehr der Kleingartenregelung

 

unterliegen würden.

 

„Wir zahlen 12 Cent

 

pro Quadratmeter im Jahr“,

 

hat Scholz Zahlen parat,

 

wie viel die maximal 400

 

Quadratmeter großen

 

Gründstücke kosten. Bei einer

 

normalen Gartennutzung

 

könnte die Pacht im

 

Jahr durchaus einen Euro

 

betragen. Die Kleingärten

 

in Bremerhaven befänden

 

sich auf städtischem, kirchlichem

 

als auch auf privatem

 

Grund.

Kartoffeln anstatt Rasen

Gerd Mindermann hat einen

 

Tipp für Kleingärtner

 

ohne grünen Daumen:

 

„Kartoffeln.“ Die müsse

 

man lediglich Anfang des

 

Gartenjahres pflanzen.

 

Dann gebe es eben Kartoffelpflanzen

 

auf dem Grundstück,

 

man könne ernten

 

und hätte nicht groß weiteres

 

zu tun. „Rasen muss

 

man hingegen jede Woche

 

mähen“, so Mindermann.

 

Er selbst ist natürlich Gemüseprofi,

 

präsentiert der

 

Runde ein Schälchen

 

selbstgezogener Tomaten,

 

die sofort Abnehmer finden.

 

Beim Blick auf die frischen

 

Tomaten werden die

 

Kleingärtner nostalgisch:

 

„Damals war es ein Highlight,

 

wenn man einen Garten

 

bekommen hat“, erinnert

 

sich Scholz, ein ehemaliger

 

Mariner aus Offenbach,

 

an die 1970er Jahre,

 

als er in seiner Bremerhavener

 

Wahlheimat an sein

 

kleines Glück im Kleingartengebiet

 

Lehe-Süd geriet.

 

„Damals wurden die Gärten

 

verlost“, erinnert sich Mindermann.

 

Doch davon, dass

 

auch heute noch die kleine

 

Laube auf Geesthelle einen

 

ambitionierten Abnehmer

 

finden wird, davon sind alle

 

überzeugt.

 

 

»Wir haben im

 

 

 

Bezirksverband mit 14

 

Kleingartenvereinen

 

 

1436 Gärten.«

 

 

 

 ©  Hans Peter Sigmann 14.08.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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